MEMENTO MORI | MIA FLORENTINE WEISS | Künstler Portrait

Mia Florentine Weiss (*1980 Würzburg) ist eine in Deutschland geborene performative Konzeptkünstlerin. Ihre Arbeit umfasst künstlerische Disziplinen wie Performance, Text, Blut, Installation, Skulptur, Objéts trouves, Photo und Film.

Die Einzelausstellung in der Galerie Friedmann-Hahn „Memento Mori“(30. März bis 30. April 2017), zeigt Arbeiten aus über zehn Jahren Schaffen. Für ein Interview mit dem Magazin ArtBerlin trafen wir Mia Florentine Weiss in ihrem Atelier in Berlin. Bei diesem treffen entstanden diese wunderbaren Reportage Fotos 

Die philosophische Frage „What is your place of protection?“ markiert die erste Dekade des Œuvre von Weiss. Hierbei handelt es sich um die inhaltliche Auseinandersetzung mit individuellen Schutzräumen und deren Antithese, was die Künstlerin selbst als ihr Leitmotiv bezeichnet.[7] Mehr als zehn Jahre dauert die performative Suche nach Antworten auf allen Kontinenten oft in Situationen, in denen sich Menschen außerhalb gesellschaftlicher Akzeptanz und an prekären, schutzlosen Orten befinden, wie Obdachlose und Menschen auf der Flucht; aber auch Stammesälteste in Afrika und Mönche, die sie in Klöstern in Indien, Russland oder auch in Europa befragte. Den poetischen Nukleus ihrer weltweiten Performances hat sie in einer multimedialen Installation mit 54 Videoarbeiten unter dem Namen Art Protector zusammengefasst.

Performance von Mia Florentine Weiss im Senckenberg Museum, 2015.

Weiss stellt in zahlreichen Performances den eigenen Körper in Zusammenhänge, die für sie essentiell sind und benutzt ihre Biographie als „literarische“ Grundlage ihres Schaffens.[8] Als erste Künstlerin stellte sie im Senckenberg Museum in Frankfurt am Main ihre Plazenta aus.

Die Performance „Muttertier“ zeigt die Künstlerin zugleich mit ihrem Baby und einer Milchpumpe im Arm in der Apotheke der Anomalien des Senckenberg Museums. Sie soll als Quelle des Lebens verstanden werden mitten in der Ambivalenz aus Sein und Nichtsein, aus Tod und neuem Leben.[9] Weiss bezeichnet „Performance“ als „eine Momentaufnahme eines Gefühls bzw. Dialektik, die in Bilder übersetzt wird.“[10]

Der ewige circulus vitiosus, die antagonistische Agonie beider Pole von Leben und Sterben ziehen sich wie ein roter Faden durch Weiss´ Werk. Das „Pegasus Project“ ist eine performative Reise vom Frankfurter Senckenberg Museum entlang der europäischen Grenzen mit Endstation Venedig für eine Ausstellung der Deutsch-Italienischen Kulturgesellschaft im Palazzo Albrizzi während der Biennale di Venezia 2015 in Venedig. Die Künstlerin hat eine Taxidermieskulptur eines Schimmels mit Leuchtflügeln geschaffen, das die Unschuld aber auch den Terror unserer Zeit in einem bipolaren Spannungsfeld symbolisiert. Pegasus war Anfang 2015 als „Moving Installation“ an den Rändern Europas (Titel „Edges of Europe“) zu Wasser und zu Land einer authentischen Flüchtlingsroute gefolgt, die Mia Florentine Weiss mit der Organisation Pro Asyl bereits im Vorjahr recherchiert hatte, noch bevor das Thema medial explodierte.[11] Diesem Projekt hatte das Senckenberg Museum in Frankfurt am Main unter dem Motto „Natur trifft Kultur“ eine Einzelausstellung unter dem Titel „Der Nabel der Welt“ gewidmet.[12]

Als Abschlussperformance mit dem Titel „Anthropocene“ hat sich die Künstlerin selbst zum Gegenstand der Ausstellung im Museum inszeniert, in dem sie als Artefakt in einer Glasvitrine zwischen längst ausgestorbenen Dinosauriern das Ende der Menschheit symbolisiert und während der Performance über digitale Verbindungen mit den Besuchern kommunizierte.

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